Archiv für März 2009

Immer noch die 90er

„Das wollen doch alle so“

In der Mittagspause im Restaurant sitzend überrascht der Satz. „Bei den Italienern kann man ja nie wissen.“ Gemeint war die Zutatenauswahl zu einer Gorgonzola-Sauce und allem Anschein nach war die Aussage nicht bewusst rassistisch gemeint. Eher locker auf das Konstruieren einer Kollektividentität und deren Abwertung angesprochen, folgten die in solchen Fällen üblichen Reaktionen. (mehr…)

Das Öffentliche ist politisch!

Öffentlicher Raum ist ein Begriff bürgerlicher Konzeption, die öffentlich und privat als einen Gegensatz konstruiert, der die begrenzte Umsetzung der liberalen Ideale von Gleichwertigkeit und Freiheit rechtfertigt. Das Private ist nicht Anliegen der Öffentlichkeit, nicht res publica, und damit ist die Verwirklichung der Gleichwertigkeit und Freiheit im Privaten nicht Anliegen der liberalen Gesellschaft und des liberalen Staates. (mehr…)

„Das ist kaum zu verstehen? Na gut, meinetwegen.“

„Das gehört ja auch alles nur zur Show.“

Nicht zuletzt um den Widerspruch zwischen vorgeblich klassenloser Gesellschaft und real erfahrenem sozialen Nichtaufstieg zu verschleiern und individuelle Ursachen für die soziale Situation der oder des Einzelnen bereitzustellen, dient das Ideal der Bildung. Als Kernaufgabe der Schule und der gesamten Kindbetreuung (mehr…)

Ein Abend im Millerntorstadion

„Noch vor kurzem hätte ich nicht im Traum daran gedacht dieser Veranstaltung hier beizuwohnen“

Aus einem nur durchschnittlich am Phänomen Fussballfan partizipierendem Sozialisationsmillieu stammend war das Stadion lange Zeit ein weißer Fleck des eigenen psychischen Stadtplans. Allenfalls wurde es (mehr…)

spiegelschrift?

„schreib dir ein paar Reime ans Fenster – in Spiegelschrift“

spiegelschrift ist zunächst einmal verkehrt, andersherum. spiegelschrift ist schwerer zu lesen, manchmal erst beim zweiten oder dritten Versuch zu entziffern. Im Grunde ist sie aber das gleiche wie andere Schrift.
Ans Fenster geschrieben ist sie von hier nicht wie von da. Was von hier klar erscheint, kann von da unleserlich sein. Innen in spiegelschrift kann von außen gelesen werden.
spiegelschrift ist gespiegelte Schrift. Schrift auf sich selbst zurückgeworfen, reflektierte Zeichen. spiegelschrift ist aber vielleicht auch spiegel-schrift, spiegelnde Schrift. Selbst unsichtbar reflektierend, und doch bestimmend für Gestalt der Reflektion.

Vor allem aber ist spiegelschrift der Versuch eines manifesten Selbstzwangs, die eigenen Gedanken weiterzudenken, zu Schrift werden zu lassen. spiegelschrift ist damit ein Projekt, dessen Verlauf ungewiss und dessen Ziel vage ist.