Wenn es nicht so lustig wär‘

„ich versuche immer bekannte Wege zu gehen“

Wieder Fußball, wenn auch ein gänzlich anderes Erleben. Der Greifswalder Sportverein gegen BFC Dynamo Berlin. Statt engagiertem Support galt es also von Seiten der GSV-Fanschaft Bratwurstessen und Pöbeleien zu erwarten, während Berliner, die letzte Saison noch recht beeindruckend und teils einschüchternd Präsenz im Stadion und der Stadt zeigten, nicht zu erwarten waren. Immerhin, bestes Wetter und bezahlbarer Eintritt ins sog. Volksstadion.

„alle tragen diese karierten Burberry-Pullis seit es sie bei H&M gibt“

Angekommen, war die erste Entdeckung, die es zu machen galt, die Anwesenheit einiger Hände voll – nach Eigenangaben 35 – BFClern, die anscheinend, von der Polizei ebenso unerwartet wie von allen anderen, mit einem Bus angereist waren und sich nun neben den schon beim letzten Mal ungeliebten Gästeblock stellten. Augenscheinlich nur Männer, die alle das Klischeebild des gewaltaffinen Fussballanhangs erfüllten, den Oberkörper trotz kaltem Wind präsentierten oder sich sonst wie in Pose warfen. Die sich selbst als GSV-Support verstehenden Greifswalder_innen gingen nach einigem Zögern in Richtung ihres üblichen Gegengeradenplatzes, die BFCler reagierten darauf, Ordner und Polizei trennten sie und bevor es konfrontativ werden konnte, drehten die Greifswalder_innen um und nahmen woanders Platz.

„ein Bekannter hat sein erstes Buch ‚Ich kann nicht mehr’ betitelt“

Das Spiel begann, von den Gästefans ertönte geschlossen „USA – Internationale Völkermordzentrale“ und bestätigte das vorhandene Bild der organisierten BFC-Anhängerschaft; von den Greifswalder_innen wie gewohnt keine geschlossenen Gesänge oder Parolen, sondern nur Gepöbel. Neu waren zwei Tapetenbanner, „MISSwirtschaft“ – welche Bewandnis die Groß- und Kleinschreibung hat ist unbekannt – und „Fanverarsche“.

„bitte, du weißt doch was man tun muss wenn es wackelt“

Fussballerisch entspricht die Situation des GSV seiner Wirtschaftslage, jedenfalls dominierte der BFC, und kurz nach der ersten, wenig beachteten Ingewahrsamnahme, die vermutlich einen BFCler traf, der zu den GSV-Fans hinüber wollte, fiel das verdiente 0:1, bald darauf das 0:2, dass „Deutscher Meister BFC“-Parolen bewirkte und dann das 0:3. Insgesamt war das Spiel des GSV schwach, ebenso der Support auf beiden Seiten.

„ich hätte jetzt gerne den Publikumsjoker und nicht den Telefonjoker“

Zweite Halbzeit, auf dem Platz änderte sich nicht viel, der GSV schaffte das schönste Tor des Spiels, aber sonst nichts. Die angeblichen GSV-Supporter verliesen das Stadion in der Halbzeitpause oder verstreuten sich und traten nicht mehr in Erscheinung, die „Greifswalder Jungs“ – neuerdings am Rande der Haupttribüne stehend, mit bedrucktem Pullover oder Thor-Steinar-Jacke, Zaunfahne und ansonsten schweigend, zogen in der 73. Minute nach und packten unter Gelächter der Gästefans ein. Sie verpassten so sowohl den ersten Böller als auch das 1:4. Kurz darauf Abpfiff, ein ganz klein wenig Feuerwerk, erneut „USA – Internationale…“ und die BFC-Fans auf dem Platz. Aber weder Ordner noch Polizei hatte anscheinend Lust auf eine Auseinandersetzung, jedenfalls ließen sie sie auf dem Platz gewähren.

„ich denke, ich denke, ich denke jetzt mal nichts“

Immerhin, 105 unterhaltene Minuten in der Sonne, und die offene Frage, was Menschen dazu bringt, so halbherzigen, nur noch lächerlich wirkenden Support zu betreiben.