Sinn oder Zweck dieser Übung

„unser Zeug das schmeckt nach Scheiße“

„Kunst ist, was Kunst ist – und damit [wird] das Spannungsverhältnis zwischen als legitimiert auftretenden Beurteiler_innen von Kunst und der unanerkannten, aber als Kunst gemeinten Kunst…“ offengelassen.
Eine erste Annäherung an die Frage, was Kunst ist, benötigt eine Auflösung dieses Spannungsverhältnisses. Auf der einen Seite findet sich die Perspektive auf Kunstschaffende, die ein mehr oder minder materielles Produkt als Folge ihres Schaffens hinterlassen – wobei schon diese Annäherung mit der Form der Performance nicht weiter haltbar ist. Dennoch von der Schaffung eines Produkts, das Kunst ist, ausgehend, ist der Akt der Kunstschaffung näher zu betrachten. Eine Grenze der Kunst zeigt sich gegen das Handwerk, das auch schaffend ist, auf. Diese Grenze löst sich nicht erst beim Fall des readymade auf, das Kunst und Handwerk bzw. Industrieprodukt oder gar Abfall in einem ist. Schon bei der Grenzziehung zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Design ist allein am Objekt des Kunstschaffens nicht zu sagen, ob es sich um Kunst handelt. Ein Objekt – oder, um an der Performance anzuküpfen, ein Prozess – ist also nicht Kunst, es wird als Kunst verstanden.

„was uns dann auch nicht wundert“

Der nächste Ansatz, in obigen Spannungsverhältnis als eine Seite dieses verstanden, ist die Selbstdefinition der/des Kunstschaffenden als solche_r. Alles, was als Kunst geschaffen ist, wäre demnach Kunst. Eine Definition, die normativ einforderbar wäre und ja von jede_r Kunstschaffenden eingefordert wird, aber damit nicht beschreibt, was der Begriff der Kunst bezeichnet. Sich auf die andere Seite des Verhältnisses zu stellen und zu sagen, dass alles, was als Kunst anerkannt wird, Kunst ist, scheint zunächst tragfähiger für eine Betrachtung dessen, was Kunst genannt wird.

„ihr kommt nicht mehr runter“

Mit dieser Betrachtungsweise geht die Frage einher, wer anerkennt. Wird das Konzept einer Öffentlichkeit die anerkennt, und die damit verbundenen Konnotierungen des volonté générale oder einer öffentlichen Meinung, abgelehnt, bleiben mehrere Möglichkeiten. Die Betrachtung des Herrschaftsdiskurses der Anerkennung, die durch Museen, Ausstellungen universitäre Lehrmeinung und Kritiken Kunst anerkennen, ist eine davon. Durch die Existenz von Subkulturen und der Mehrebigkeit der anerkannten Kunst – E- und U-Kunst als beispielhafte Kategorien – ist jedoch von mehreren Diskursen zu sprechen. Die andere Möglichkeit, die durch diese Diskurspluralität schon angedeutet ist, ist die Anerkennung durch jede_n Rezipient_in. Kunst wäre also Kunst nicht an sich, sondern für die/den Rezipierenden.
Ohne das Selbstverständnis des Schaffenden der Kunst als Kunst verbleibt diese Kunstwerdung der Kunst durch die/den Rezipierende_n allerdings subjektiv. Sie bedarf also entweder eines Übereinstimmens zwischen Produzent_in und Rezipient_in, oder eines rezipient_innenübergreifenden Konsenses.
Kunst wird nicht bei der Schaffung Kunst und auch nicht bei der Rezeption. Erst im Austausch über die Kunst, entweder als mitgeliefertes Verständnis der/des Produzierenden oder als Diskurs über die Kunst unter Rezipierenden wird die Kunst zu Kunst.

„oft sitzen wir zuhause und zieh’n uns unser Crack rein“

Kunst konstituiert sich somit in einem kommunikativen Prozess und eröffnet so die Frage, ob Kunst selbst nicht Kommunikation ist.
Eine Strukturähnlichkeit ist gegeben, neben der notwendigen Reziprozität ist Kunst wie Kommunikation symbolhaft. Sie steht für etwas anderes, abwesendes. Kunst ist also nicht bloßes Verhalten oder Interaktion, das auf direkte Änderung von Bedingungen der Umwelt, auf bloße Reaktion, abzielt. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, dass Kunst ebenso wie Kommunikation auf die Orientierung einer/eines Anderen (oder mehrerer Anderer) abzielt. Im Gegenteil scheint es intuitiv naheliegend, das Kunst – wenn es auch Kunst gibt, die es tut – nicht notwendigerweise orientierungsorientiert, und damit (im Foucaultschen Sinne) machtorientiert ist, sondern im Gegenteil zweckungerichtet erscheint.

„du kannst es nicht vermeiden. Du willst es nicht vermeiden“

Wie Kommunikation ist Kunst also reziprok konstituiert und zeichenhaft, unbeantwortet ist hier, inwiefern sie auf die Orientierung einer/eines Anderen abzielt oder worauf sie überhaupt zielt und damit auch unbeantwortet, ob Kunst eine spezielle Form der Kommunikation ist (sie könnte nur formhaft zu bestimmen sein, da Kunst eine prinzipielle Themenoffenheit aufweist) oder ob Kunst und Kommunikation nur häufig zusammenfallen.


1 Antwort auf „Sinn oder Zweck dieser Übung“


  1. 1 Kritische Kunst ist Kunst ohne Publikum « spiegelschrift Pingback am 20. September 2009 um 20:49 Uhr
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