Doppelcharakter der Emanzipation

Folgend eine vorsichtige Annäherung an Détournement und cut-up in Form einer Ersetzung/Verschiebung – ihr Thema Emanzipation in nicht-revolutionären Zeiten:

Sehr schematisch: Eine Gegenüberstellung verdinglichter Bilder (zum Beispiel Kapital/Arbeit, Mann/Frau und so weiter) ist niemals das Gegenüber zweier Termini, sondern eine Hierarchie und die Ordnung einer Subordination. Die Befreiung kann sich nicht auf eine Neutralisierung beschränken oder unmittelbar dazu übergehen: Sie muss durch eine doppelte Agitation, eine doppelte Verweigerung, eine doppelte Theorie der Umkehrung der klassischen Gegensätze und eine allgemeine Verschiebung des Systems in die Praxis umsetzen. Nur unter dieser Bedingung wird sich die Befreiung die Waffen verschaffen, um auf dem Feld der Scheins, den sie kritisiert und der auch ein Feld nicht-diskursiver Kräfte ist, zu intervenieren. Jedes Bild gehört andererseits einer systematischen Kette an und konstituiert selbst ein System von Spektakeln. Es gibt kein Bild der Freiheit an sich. Es gibt eine – spektakuläre oder kritische – Arbeit an der Totalität der Bilder. Die Befreiung besteht nicht darin, von einem Bild zum anderen überzugehen, sondern das Spektakel ebenso wie die nicht-verkehrte Ordnung, an die es geknüpft ist, umzukehren und zu verschieben.


3 Antworten auf „Doppelcharakter der Emanzipation“


  1. 1 defekt 01. Februar 2011 um 19:30 Uhr

    Warum?

  2. 2 spiegelschrift 01. Februar 2011 um 22:42 Uhr

    Keine entgültige, aber ein Entwurf Richtung einer möglichen Antwort:

    Zum einen weil es innerhalb der bestehenden Verhältnisse graduelle Verschiebungen des Falschen gibt, die zwar das Falsche nicht richtig machen, aber konkrete Verbesserungen für Einzelne bedeuten können.

    Zum anderen, und entscheidener hier, aber die Konzeption, dass aus spektakulären Verhältnissen nicht einfach so nicht-spektakuläre Beziehungen entwickelt werden können. Die oben genannte doppelte Verschiebung/Umkehrung dient also dazu, über (sichtbar-)gemachte Uneindeutigkeiten und über Widersprüche der Bilder die Möglichkeiten einer Kritik zu liefern, die ob der Totalität der Verhältnisse notgedrungen von innen zu erfolgen hat.

  1. 1 „Trotz all ihrer Unfreiheit…“ « spiegelschrift Pingback am 13. September 2011 um 21:23 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.