„You‘ve lost one life“

Erneut etwa eineinhalb Jahre nach der letzten Betrachtung des Projektes spiegelschrift ist nun erneut ein Blick möglich:

Die Artikel zur Subjektivität markieren auch ein Scheitern der bisherigen Bemühungen, das Spannungsfeld Kollektivität – Subjektivität produktiv zu denken, verbleiben sie doch alle bei individualistischen Ansätzen, die zudem ökonomische Bedingungen ausblenden – spiegelschrift insgesamt glänzt mit einer umfassenden Abwesenheit materieller Bedingtheiten symbolischer, ideologischer Formen

hieß es vor eineinhalb Jahren, als eine Entwicklung von der Thematisierung von Kollektivierungsformen hin zur Arbeit am Subjekt und an der Identität zu konstatierten war. Diese Entwicklung hat sich in gewissem Sinne fortgesetzt.
Stand zu Anfang noch weiterhin die Frage nach der Bestimmbarkeit des Menschseins (in einem Artikel zu Sartre und Marcuse) im Raum, waren die Artikel bald von dem Erfassen einer Rückzugsbewegung bestimmt: Ein Rückzug, der als Kritik an Zielsetzungen bestimmter Politikfelder (Zu den Bildungsprotesten hier und hier) oder von bestimmten Politikstilen (etwa im Kontext des Wohlfühlens bei politischer Aktivität), seine Absetzungsbewegung artikulierte.
Ein Rückzug, der aber auch als Folge einer Abstoßung stattfand. Abgestoßen von Kneipensituationen im eigenen Milieu, von gewaltsamen Identifizierungen oder Formen der Freizeitgestaltung, die eine willige Affirmation ihres Reproduktionscharakters hergeben – und die die eigene Kollektivitätsunwilligkeit beispielhaft erlebbar machten; und damit gleichzeitig die Frage nach der wirklichen Bewegung negativ in den Raum stellten.
Eine Frage, deren Antwortlosigkeit schon im letzten Rückblick als „Zeichen einer Ohnmacht“ verstanden wurde, und die in den letzten eineinhalb Jahren bloß noch knappe Notizen als Andeutungen zum Doppelcharakter, der Methodik und der Schwierigkeit einer etwaigen Antwort hinterließen.
Ein Rückzug schließlich, der, gespeist von entschlüssenden Erfahrungen ihren Wiederhall auch im Rückzug vor der eigenen Aktivität in Betrachtungen zur Schüchternheit und Zartheit mündeten (hier und – schon mit dem Charakter eines Fazits – hier) und die letzten Monate in Schweigen mündete.

Die Ohnmacht, deren Zeichen dieses Projekt ungeplant geworden ist, erscheint größer als je, die Selbstkritik der Waffen war entwaffnend, und jene „Zartheit als intersubjektive Form“ die „Möglichkeit zur – intersubjektiv verwirklichten – Transformation bietet“ (wie es im betreffenden Beitrag kryptisch heißt) ist nicht in Sicht – und kann es vielleicht an einem so einsamen Ort wie diesem nicht sein.


1 Antwort auf „„You‘ve lost one life““


  1. 1 practical3mancipation 07. Januar 2013 um 18:25 Uhr

    Ist dieses statement deine letzte Regung, die den Blog zum Abschluss bringt? Was du als „einsamen Ort“ bezeichnest, kam mir unlängst ebenfalls in den Sinn. Eine Komentarspalte ist eben kein Ausdruck eines gemeinsamen oder offenen Projekts. Es gilt, falls Interesse besteht, andere Wege zu finden…

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